Maraike Bückling im Porträt

Dr. Maraike Bückling, Leiterin der Abteilung Renaissance bis Klassizismus, begleitet die Entwicklung der Liebieghaus Skulpturensammlung seit Langem aus nächster Nähe und gestaltet diese als Kuratorin und Sammlungsleiterin aktiv mit. Dabei hält die Arbeit mit den skulpturalen Schätzen des Museums immer wieder Überraschendes für sie bereit.

Wie hat sich das Liebieghaus verändert, seit Sie am Museum tätig sind?
Im Liebieghaus hat sich seit 1985 außerordentlich viel verändert. Das betrifft zum Beispiel das Haus selbst, das 1990 einen Anbau erhielt, der seitdem die Abteilung Antike beherbergt. Die gravierendste Veränderung, was die Präsentation der Dauerausstellung betrifft, fand nach dem Dienstantritt von Max Hollein statt: Zum einen wurden die Räume gerade in der Villa insofern verändert, als dass sie nach Möglichkeit in den Zustand versetzt wurden, in dem sie sich befanden, als das Haus noch Privatzwecken diente. Skulpturen, die nicht mehr in der Schausammlung aufgestellt wurden, befinden sich seitdem im Schaudepot oder in den Studioli – die früher übrigens ausschließlich als Verwaltungsräume des Museums genutzt wurden. Darüber hinaus werden die Werke inzwischen meist vor farbigen, nicht weißen oder pastellfarbenen Wänden präsentiert.

Auch personell fanden große Veränderungen statt: Wir waren früher im Liebieghaus ein kleines Team von drei Wissenschaftlern, einer Restauratorin, zwei Sekretärinnen, zwei Sachbearbeitern, gelegentlich mit Volontären oder einigen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern, die für Bestands- oder Ausstellungskataloge eingestellt wurden. Diese Aufgaben werden inzwischen von jeweils eigens dafür eingerichteten Abteilungen übernommen, die für Städel und Liebieghaus tätig sind.

Welche Skulptur überrascht Sie immer wieder aufs Neue und warum?
Jedes unserer Werke kann, je nach der Frage, die wissenschaftlich oder von den Restauratoren gestellt wird, überraschen. So beispielsweise, wenn bei einer Restaurierung unter einer Schmutzschicht eine gut erhaltene originale Fassung oder eine Inschrift zutage tritt. Aber auch stilistische Fragen können, neu gestellt, zu überraschenden Erkenntnissen führen: Lange galt ein Altarmodell als Werk eines Passauer Meisters. Durch überraschende neue Aktenfunde in Österreich konnte der wirkliche Bildhauer eruiert werden. Inhaltlich kann etwa Franz Xaver Messerschmidts Alabasterbüste immer wieder neue Facetten offenbaren.

Wo befindet sich Ihr Lieblingsplatz im Museum?
In meiner Abteilung oder vor einer Inkunabel des Klassizismus – Danneckers „Ariadne auf dem Panther“.

Zur Person

Nach dem Studium in Mainz und München kam Dr. Maraike Bückling Ende 1985 für ein Volontariat an die Liebieghaus Skulpturensammlung. Ihre Promotionsschrift verfasste sie zu Wilhelm Steinhausen (1846–1924) als Landschaftsmaler. 2006 übernahm sie nach fast 20-jähriger Tätigkeit als Kuratorin am Liebieghaus die Leitung der Abteilung Renaissance bis Klassizismus.

Forschungsschwerpunkt

Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Skulptur des europäischen 17. und 18. Jahrhunderts.

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