Philipp Demandt im Porträt

Seit Herbst 2016 leitet Philipp Demandt die Geschicke nicht nur des Städel und der Schirn Kunsthalle, sondern auch der Liebieghaus Skulpturensammlung. Zu den besonderen Leidenschaften des 1971 in Konstanz geborenen Kunsthistorikers gehört zweifelsohne die Skulptur. Nicht umsonst zählte eine Ausstellung zu dem in Vergessenheit geratenen italienischen Bildhauer Rembrandt Bugatti zu den Höhepunkten unter seiner Leitung der Alten Nationalgalerie in Berlin.

Was macht für Sie die besondere Qualität der Gattung Skulptur aus?
Skulptur ist dem Menschen durch ihre Dreidimensionalität oft näher als das zweidimensionale Bild. Zugleich entzieht sie sich jedoch durch die meist vorherrschende Monochromie dem Betrachter wieder – ungeachtet der Tatsache, dass es natürlich auch farbig gefasste Skulpturen gibt und vor allem gab, deren Erforschung sich das Liebieghaus in besonderer Weise widmet.

Was zeichnet das Liebieghaus gegenüber anderen Museen aus?
Neben der hohen Qualität der Exponate und der immer wieder neuen Blicke auf Skulptur in unseren großen Sonderausstellungen ist es auch das Haus selbst, das dieses Museum zu einem einzigartigen Ort macht. Die Villa, der Garten, die Lage, großzügig und intim zugleich. Man geht einfach immer gerne hin!

Welche Entdeckung haben Sie im Liebieghaus gemacht, die Sie begeistert hat?
Ich mag besonders die französische Porträtplastik der Aufklärungszeit – dieses Durchscheinen von Geist und Verstand unter Puder und Perücke, wunderbar! Mein Favorit in der Sammlung ist das „Bildnis des Comte de la Tour Auvergne“ von Jean-Baptiste Lemoyne II.

Zur Person

Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Publizistik promovierte Philipp Demandt 2001 an der Freien Universität Berlin. Auf eine Ausstellungsassistenz im Bröhan-Museum folgte ab 2004 seine Tätigkeit als Dezernent bei der Kulturstiftung der Länder. Dabei zählten die Beratung und Unterstützung deutscher Kultureinrichtungen beim Erwerb und der Finanzierung von Kunstwerken von der Vor- und Frühgeschichte bis zum 19. Jahrhundert sowie bei Ausstellungsvorhaben zu seinen Kernaufgaben. Von 2007 bis 2010 war er zudem Mitkurator der Ausstellung „Luise. Leben und Mythos der Königin“ der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Darüber hinaus konzipierte und leitete er die von der Kulturstiftung der Länder herausgegebene Zeitschrift „Arsprototo“ und deren wissenschaftliche Publikationsreihe „Patrimonia“.

Im Januar 2012 wurde Philipp Demandt zum Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin ernannt. Hier machte er unter anderem mit einer umfassenden Neukonzeption der Schausammlung sowie mit ebenso innovativen wie erfolgreichen Ausstellungen auf sich aufmerksam. Seit Oktober 2016 ist er in Personalunion Direktor des Städel Museums, der Liebieghaus Skulpturensammlung sowie der Schirn Kunsthalle Frankfurt.

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