Christus-Johannes-Gruppe

Oberrhein oder Bodensee
um 1350

alte Farbfasssung, übergangen, Inkarnate fehlen
Höhe 34,5 cm

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Christus-Johannes-Gruppen sind nur wenige erhalten. Sie entstanden zumeist im schwäbisch-alemannischen Raum zwischen etwa 1300 und 1350 für Frauenklöster. Die Frankfurter Gruppe kommt aus Kloster Adelhausen in Freiburg im Breisgau, worin seit 1687 mehrere Konvente der Dominikanerinnen vereint waren. Bei den Christus-Johannes-Gruppen handelt es sich um Andachtsbilder, die in enger Beziehung zur Mystik des 13. und 14. Jahrhunderts stehen. Und wie alle Andachtsbilder, egal ob plastisch oder gemalt, waren sie Hilfsmittel für den nach individueller Gotteserfahrung Suchenden. Sie dienten als Ausgangspunkt meditativer Versenkung, um zu visionärer Gottesschau und schließlich zur Vereinigung der Seele mit Gott zu gelangen. Hier ist es der mit geschlossenen Augen als ganz in sich versunken charakterisierte Johannes, der als Identifikationsfigur dient und regelrecht Regieanweisungen gibt: Begegne Christus mit der Liebe des Johannes, und gib dich ihm mit derselben meditativen Hingabe hin, dann wirst auch du die Nähe Gottes sinnlich erfahren.

Die Bildwerke folgen stets demselben Muster, das in der körperlichen Zuwendung der Figuren sowie der Draperie und Faltengebung der Gewänder wohl als perfekte formale Lösung für die Sichtbarmachung der innigen Verbundenheit von Johannes und Christus empfunden wurde. Dabei gibt es zwei etwas abweichende Grundtypen. Mögliches Urbild für die Liebieghaus-Skulptur ist die um 1290/1300 von Meister Heinrich in Konstanz geschaffene, 141 cm hohe Gruppe der Sammlung Mayer-van den Bergh in Antwerpen. Es ist das schönste und beeindruckendste Beispiel, dem Stücke in Kloster Heiligkreuztal, Stuttgart, Berlin und Freiburg am nächsten stehen. Das Frankfurter Bildwerk ist das reduzierteste, kleinste und jüngste dieser Reihe.

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