Thronende Muttergottes

Paris (?)
zwischen 1300 und 1330

Elfenbein, originale Farbfassung, übergangen
Höhe 28 cm

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Eines der Hauptstücke mittelalterlicher Kleinplastik im Liebieghaus ist diese aus Elfenbein geschnitzte sitzende Maria mit dem Christusknaben. Elfenbein war im 13. und 14. Jahrhundert ein beliebtes und oft verwendetes Material. Zu den Hochburgen der Elfenbeinschnitzerei dieser Jahre zählte Paris, dessen Werkstätten weit über die Grenzen Frankreichs ausstrahlten. Vergleiche mit anderen Bildwerken legen nahe, dass die Liebieghaus-Madonna dort im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts entstanden ist.

Die fein ausgeführte Figur zeichnet sich durch ihre grazile Anmut, ihre vornehme Eleganz und – trotz ihres kleinen Formates – ihre monumentale Wirkung aus. Obwohl nur vier Zentimeter tief, suggeriert sie eine erstaunliche Räumlichkeit. Das schafft ein Kunstgriff: Maria sitzt nicht frontal auf der Bank, sondern dreht sich leicht nach rechts, Christus zu. Dafür werden Leib und Gliedmaßen so geschickt verkürzt und die Gewänder so wirkungsvoll drapiert, dass der Eindruck entsteht, die Figur würde sich in viel größerem Maße tiefenräumlich entfalten, als dies tatsächlich zutrifft.

Die Figur ist voller Sinnbezüge. Der Kronreif und das nur im Ansatz erhaltene Zepter etwa bezeichnen Maria als Himmelskönigin. Die ursprüngliche Liliengestalt des Zepters steht für ihre Jungfräulichkeit. Der Jesusknabe wiederum, der sich seiner Mutter segnend zuwendet, verweist auf die Worte, die der Engel bei der Verkündigung zu Maria spricht: „Du bist gesegnet unter den Weibern“, weil sie den Sohn Gottes zur Welt bringen wird. Und als Gottesgebärerin hatte sie in den Augen der Kirche Anteil an der Rettung von der Erbsünde, die durch Adam und Eva in die Welt kam, als diese vom Baum der Erkenntnis aßen. Die Frucht dieses Baumes in Gestalt eines Apfels hält Christus in der Linken.

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