Die Evangelisten Matthäus und Johannes
Christian Jorhan der Ältere

Landshut
um 1770

Lindenholz, originale Bemalung
Höhe 93 cm und 91 cm

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Der Bildhauer Christian Jorhan d. Ä., ehemaliger Mitschüler von Ignaz Günther (1725–1775) und Franz Xaver Messerschmidt (1736–1783) bei dem Münchener Rokokobildhauer Johann Baptist Straub (1704–1784), war einer der bedeutendsten bayerischen Bildhauer seiner Zeit. Zahlreiche Kirchen, insbesondere in seinem Wohnort Landshut, aber auch im gesamten Niederbayern, erhielten von ihm ihre überaus qualitätvollen Ausstattungen.

Auch entstanden in seiner Werkstatt zahlreiche Heiligenbüsten auf Sockeln mit Rocailleornamenten, Ornamenten also, die muschel- und schneckenförmig gestaltet und in der Zeit des Rokoko außerordentlich beliebt gewesen waren. Zu den Heiligenbüsten Jorhans gehören auch mehrere Zyklen der vier Evangelisten. Die Pendants der beiden Evangelisten Matthäus und Johannes im Liebieghaus – Markus und Lukas – befinden sich heute in Berlin und Oxford. Vermutlich waren sie für eine Aufstellung am Hochaltar der Wallfahrtskirche Maria Thalheim in Landshut bestimmt.

Die Halbfiguren sind auf dreifüßigen Sockeln angebracht, deren vordere Volute, also eine eingerollte Schmuckform, das jeweilige Evangelistensymbol trägt. Beide Figuren halten ein aufgeschlagenes Buch in ihren Händen. Der bartlose Johannes weist mit dem Zeigefinger auf eine Textstelle, während Matthäus ins Lesen vertieft scheint. Die vergoldeten Gewänder, in großzügigen Bahnen um die Figuren gelegt, imitieren durch eingravierte Ornamente kostbare Brokatstoffe. Sie bilden einen auffallenden Kontrast zu den blassen, pastellfarbenen Hautpartien. Dem Pathos eines barocken Bildwerks gegenüber entwickeln die Büsten einen einfacheren, in sich gekehrten oder auch schwärmerisch-lyrischen Ausdruck.

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