Erbärmdechristus
Leonhard Kern

Süddeutschland oder Italien
um 1614

Alabaster, Rester alter Vergoldung
Höhe 36,5 cm

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Der schwäbische Bildhauer Leonhard Kern war ein bedeutender Künstler der frühen Barockzeit. Er trat 1609 eine Reise nach Italien an, kehrte 1614 nach Deutschland zurück und ließ sich bald darauf in Schwäbisch Hall nieder. Diesen Ort wählte er vermutlich, weil Reichsstädte während des Dreißigjährigen Krieges als sicher galten. Kern produzierte fast ausschließlich für Sammler, das heißt für fürstliche und bürgerliche Kunstkammern. Demzufolge wird sein Werk durch Kleinplastik dominiert; vor allem Elfenbein und Holz, aber auch Alabaster, Stein und Bronze gehören zu seinen Werkstoffen.

Das Alabasterrelief des Liebieghauses zeigt Christus als Auferstandenen zwischen zwei Jünglingsengeln, von kleinen fliegenden Putten angebetet. Der Erlöser erhebt eine Hand im Segensgestus und verweist auf seine Wundmale. Das Werk entstand vermutlich während oder kurz nach Kerns mehrjährigem Aufenthalt in Italien. Insbesondere an den nahezu athletischen Körpern Christi und der Jünglingsengel ist die Kenntnis antiker und zeitgenössischer Werke, beispielsweise von Michelangelos „Auferstandenem Christus“ (1520), abzulesen.

Die kleinen fliegenden Engel weisen auf den sich in der Folgezeit entwickelnden, vertrauten Typenvorrat Kerns voraus: Es sind realistisch erfasste, kräftige Kinder von etwas mürrischem Wesen. Derart charakteristische Werke Kerns sind gleichfalls im Liebieghaus vertreten: eine „Badeszene“ und zwei kleine Knabenfiguren, von denen eine einen Huckepackträger, die andere einen kleinen marschierenden Jungen darstellt.

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