Heiliger Diakon
Pierre Legros d. J.

Rom
um 1700

Terrakotta
Höhe 33 cm

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Der „Heilige Diakon“, der dem französischen Bildhauer Pierre Legros zugeschrieben wird, gehört im Liebieghaus zu einem Sammlungsschwerpunkt, der sich barocken Bozzetti widmet. „Bozzetto“ ist die Bezeichnung für ein skizzenhaft ausgeführtes plastisches Modell, das als vorbereitender Entwurf für eine Statue oder auch eine Statuengruppe diente. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert gehörten sie zu begehrten Sammelobjekten, da sie die erste Idee eines Bildhauers zu einem auszuführenden Werk festhalten.

Durch die Amtstracht, das Evangelienbuch und wohl auch durch den in das Gewand eingeritzten Kelch ist die jugendliche Gestalt vermutlich als Diakon anzusprechen. Dieser ist in gegenläufiger Drehung zu den Falten dargestellt. Der Schwung der einzelnen, in sich breitflächig gegliederten Gewänder bleibt aber verhalten. Die Figur zeigt eine Beruhigung vom barocken Pathos und Bewegtheit, wie sie vor allem von Gianlorenzo Bernini (1598–1680) geprägt worden war. Zusammen mit dem empfindsam gen Himmel gewendeten Kopf entsteht eine im Vergleich zu Werken des Hochbarock, der im Liebieghaus beispielsweise durch Andrea Brustolon (1662–1732) vertreten wird, eher zurückhaltende Gesamterscheinung.

Legros, aus Paris gebürtig, errang vierundzwanzigjährig ein Stipendium der Académie de France in Rom. Seit 1695 arbeitete er am Altar der Ignatius-Kapelle in der römischen Kirche Il Gesù mit. Dieser Arbeit folgten zahlreiche Aufträge kirchlicher, oft jesuitischer, und privater Auftraggeber: Der Franzose führte zu Beginn des 18. Jahrhunderts die erfolgreichste römische Bildhauerwerkstatt seit Bernini.