Maria Immaculata
Matthias Steinl

Wien
1688

Lindenholz, Reste alter Vergoldung
Höhe 93 cm

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Maria steht auf der Weltkugel und scheint in einer spiraligen Bewegung zum Himmel emporzuschweben. Immateriell, am ehesten an Wolken erinnernd, wirkt die Rückseite der Marienfigur. Dieser Eindruck des Körperlosen und der Kontrast zu der fülligen Frauenfigur waren durch die ursprüngliche, nur noch in Resten erhaltene Vergoldung der Skulptur stärker ausgeprägt. Mit seiner Statue veranschaulichte der Bildhauer Matthias Steinl ein Bibelzitat aus der Apokalypse des Johannes: „Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel; ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.“ Dieses „Apokalyptische Weib“ wird in der bildenden Kunst meist mit der „Maria Immaculata“, das heißt der „Unbefleckten“, gleichgesetzt.

Maria war seit Mitte des 17. Jahrhunderts Schutzpatronin des Erzherzogtums Österreich, dann auch des habsburgischen Kaiserhauses. Mit der Immaculata entwarf Steinl wahrscheinlich eine Siegessäule, um den Triumph der kaiserlichen Truppen über die türkische Armee im Jahr 1683 zu feiern.

Die Wanderjahre führten den vermutlich aus der Umgebung Salzburgs gebürtigen Bildhauer, der gleichermaßen in Holz, Stein und Elfenbein arbeitete, wahrscheinlich nach Deutschland, Frankreich und Italien. Schließlich übersiedelte er 1688 nach Wien. Steinl schuf die Skulptur möglicherweise, um sich mit der eindrucksvollen Demonstration seines Könnens bei Hof einzuführen. Unter Kaiser Leopold I., dem ersten seiner drei kaiserlichen Dienstherren, erhielt er das Amt des Kammerbeinstechers, das heißt des Elfenbeinschnitzers am Hof.

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