Harald Theiss im Porträt

Mit der Wahl seines Berufs folgte der leitende Restaurator des Liebieghauses Harald Theiss einer Art Bestimmung. Damit hat er nicht nur der etwaigen Monotonie im Arbeitsalltag den Kampf erklärt, sondern sich auch der Wiederentdeckung verlorenen Wissens verschrieben.

Was hat Sie dazu bewegt, sich beruflich der Skulptur zu verschreiben?
In gewisser Weise war mein Weg wahrscheinlich vorbestimmt, denn ich stamme aus Ulm und damit aus einer Stadt, die im Mittelalter eine wahre Hochburg der Bildhauerproduktion war. Die Stadtgeschichte hat also offenbar einen ziemlich starken Einfluss auf meinen eigenen Werdegang ausgeübt – wie bewusst oder unbewusst das auch immer geschah. In meiner beruflichen Laufbahn war ich von Beginn an bei Projekten dabei, die sich mit qualitativ hochwertigen Skulpturen beschäftigten. Den Startschuss gab ein Praktikum am Ulmer Museum.

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?
So etwas wie einen „ganz normalen Arbeitstag“ gibt es bei mir nicht. Jeder Tag ist anders, so wie auch jedes Objekt, mit dem ich zu tun habe, anders ist. Zwischen Ausstellungsvorbereitung und kunsttechnologischer Forschung hat Monotonie keine Chance. Das ist auch das Spannende an meiner Arbeit im Liebieghaus: Die Projekte sind äußerst vielfältig.

Was ist das Besondere an Ihrer Arbeit als Restaurator im Liebieghaus?
Das Besondere an meiner Arbeit im Liebieghaus ist vor allem die kunsttechnologische Erforschung alter Maltechniken und Malmaterialien. Diesen versuchen wir mittels praktischer Experimente und experimenteller Rekonstruktionen so genau wie möglich auf die Spur zu kommen. So können wir verloren gegangenes Wissen über diese Techniken wiederentdecken und praktisch nachvollziehen, wie beispielsweise bestimmte alte Malmaterialien hergestellt und verarbeitet wurden. Die Forschungsprozesse sind dabei meist sehr komplex und langwierig, aber auch äußerst spannend.

Zur Person

Das Studium im Fach Restaurierung mit der Spezialisierung auf Skulptur führte Dipl.-Restaurator Harald Theiss zunächst von seiner Heimatstadt Ulm nach Dresden und Wien. Auf seine an den Staatlichen Museen zu Berlin durchgeführte Diplomarbeit im Jahr 2000 folgten diverse Stationen als freiberuflicher Restaurator, unter anderem für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, das Bayrische und das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege sowie die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – Grünes Gewölbe. Harald Theiss war ferner als Projektangestellter am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover und als Restaurator für die Abteilung Skulptur am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg tätig. Seit Herbst 2007 leitet er die Restaurierung der Liebieghaus Skulpturensammlung und ist damit für die konservatorische und restauratorische Betreuung des gesamten Sammlungsbestandes des Museums zuständig.

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