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Gnadenstuhl, Niederösterreich, um 1520


Schlagwörter

Christus   Gnadenstuhl   Albrecht Dürer   Obstholz   Tiara   Heiliger Geist   Relief   Tod   Engel   Kreuz   Österreich   Gott

Unbekannt

Gnadenstuhl

Niederösterreich, um 1520

Obstholz (Birne ?), originale partielle Farbfassung
Inv. Nr. St.P. 610, Erworben durch den Städelschen Museumsverein mit Unterstützuing der Stadt Frankfurt (Testament Gustav und Margarete Kober)

58.5 cm

Der mit der Papstkrone, der Tiara, bekrönte Gottvater weist seinen von der Passion gezeichneten toten Sohn, Christus, vor. Er präsentiert dem Betrachter den Leichnam, wie ein Priester dem Gläubigen beim Abendmahl die Hostie darreicht: Wie der Geistliche die geweihte Hostie nicht mit unverhüllten Händen berührt, hat Gottvater seine Hände, mit denen er Christus unter den Achseln hält, mit dessen Leichentuch bedeckt. Sein Umhang wird von zwei Engeln aufgehalten und hinterfängt die zentrale Figurengruppe. Weitere Engel schließen seitlich an, trauernd oder (links) das Kreuz der Passion Jesu Christi haltend.
Das Ganze findet im Himmel statt: Gewundene Wolkenbänder, zwischen denen vier Köpfe für die Windrichtungen auftauchen, schließen das Relief unten ab. Über Christus und Gottvater schwebte einst eine Taube, das christliche Symbol für den Heiligen Geist. Erst alle drei zusammen ergeben laut Kirchenlehre den christlichen Gott.
Vorbild für die Komposition war ein Holzschnitt Albrecht Dürers von 1511. Das Relief muss also später entstanden sein. Die Grafik wurde motivisch vereinfacht, reduziert und zugleich räumlich verdichtet. Stilistisch bestehen Verbindungen zu einem Kreis niederösterreichischer, wohl in Wien tätiger Bildschnitzer im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Mit dem Hochaltar der Wallfahrts- und Pfarrkirche St. Maria am grünen Anger in Mauer bei Melk (1509/1518) und dem ehemaligen Hochaltar der Abteikirche Zwettl (1516–1525), heute im mährischen Adamov, schufen sie Hauptwerke der ausgehenden Spätgotik. Es sind Werke großer Expressivität, beeindruckender schnitzerischer Kunstfertigkeit und fast irritierender kompositorischer Dichte. Sie zählen zum Erstaunlichsten, was die spätmittelalterliche Altarkunst hervorgebracht hat.

12345  Bewertung: (3.00)

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