Der Furienmeister

4. April bis 9. Juli 2006
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Der Furienmeister

Tätig am Beginn des 17. Jahrhunderts, greift der Furienmeister die vielfältigen Anregungen des Manierismus auf. Auf höchstem technischem und künstlerischem Niveau, dabei überaus erfindungsreich im Umgang mit dem exquisiten und kostspieligen Material Elfenbein, schuf er seine artifiziellen Kompositionen.

Das besondere Interesse richtet sich auf den nackten Körper. Es entstehen jedoch keine klassischen, ausgewogenen Aktdarstellungen, sondern wild bewegte, verzerrte, von Emotionen getriebene Figuren, deren beunruhigende Ausstrahlung sich auf den Betrachter überträgt. Auch die Tierdarstellungen besitzen dieselbe emotionale, oft aggressive Präsenz. Der Furienmeister bewegt sich nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch im Grenzbereich des Möglichen. Seine Konstruktionen sind oft sehr gewagt, die schnitztechnische Ausführung etwa des Haars oder der extrem dünnen, bewegten Draperien äußerst virtuos. Außergewöhnlich sind auch die noch original erhaltenen Sockel. Sie sind aus unterschiedlichen Materialien wie Elfenbein, Holz, Muscheln und Balsamharz, sog. Kolophonium, gearbeitet.

Der Furienmeister und seine Werkstatt arbeiteten für die höfische Kunstkammer: Seine Auftragsarbeiten entstanden für die Sammlungen bedeutender Fürsten. Aus solchen Sammlungen gingen einige der Museen hervor, in denen heute bedeutende Werke des Furienmeisters aufbewahrt werden: die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien, das Museo degli Argenti im Palazzo Pitti in Florenz, die Berliner Skulpturensammlung. Sie alle gehören zu den Leihgebern dieser Ausstellung.

In den 1980er Jahren wurde das Œuvre des Furienmeisters erstmals erfasst. Die Ausstellung in der Liebieghaus Skulpturensammlung und die begleitende monographische Publikation sind das Ergebnis der weiterführenden und damit erstmals umfassenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem beeindruckenden Künstler.

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Der Furienmeister

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