Tilmann Riemenschneider (um 1460 - 1531)

Muttergottes

Tilman Riemenschneider, Muttergottes, Würzburg, um 1520
Tilman Riemenschneider, Muttergottes, Würzburg, um 1520

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Tilmann Riemenschneider

um 1460 - 1531

Tilman Riemenschneider ist sicherlich der populärste deutsche Bildhauer des Mittelalters und einer der bekanntesten deutschen Künstler überhaupt. Er gilt gemeinhin geradezu als Synonym für die deutsche Bildhauerkunst der Spätgotik. Wo er zum Bildhauer ausgebildet wurde, ist nicht überliefert. Seine frühen Werke wie etwa die in Alabaster gearbeitete Verkündigungsgruppe in Amsterdam (1484), der sitzende Hieronymus mit dem Löwen in Cleveland oder die Statuette der hl. Barbara im Roseliushaus in Bremen lassen aber erkennen, wie wichtig vor allem die oberrheinische Bildhauerkunst (Niclaus Gerhaert von Leyden) für Stil und Formauffassung Riemenschneiders gewesen sind. Riemenschneider kam 1483 nach Würzburg.
1485 erhielt er die Meisterwürde. Im Lauf der Jahre entwickelte er sich zum erfolgreichsten Bildhauer der Stadt und des Bistums. Viele archivalisch gesicherte und eine kaum überblickbare Menge zuschreibbarer Arbeiten sind in seiner Werkstatt entstanden. Die Sandsteinstatuen von Adam und Eva an der Würzburger Marienkapelle (1491–1493) etwa, die geschnitzten Altaraufsätze für Münnerstadt (1490–1492), Rothenburg ob der Tauber (1499–1504) oder Creglingen (1505–1510) sowie die Grabmäler der Fürstbischöfe Rudolf von Scherenberg (1496–1499) und Lorenz von Bibra (1518–1522) im Würzburger Dom oder das Kaisergrab im Dom von Bamberg (1499–1513) zählen zum Bekanntesten, was die spätgotische Kunst hervorgebracht hat.
Neben der rasch wachsenden künstlerischen Reputation erwarb sich Riemenschneider auch großes gesellschaftliches Ansehen, das sich in der Übertragung politischer Funktionen äußerte. Zwischen 1504 und 1520 war er unter anderem Ratsmitglied und Bürgermeister. Dass öffentliche und berufliche Karriere nebeneinander funktionierten, lag an der effizienten Organisation der Werkstatt: Die Gesellen imitierten den Stil des Meisters, so dass die „Ware“ Riemenschneider als solche erkennbar blieb, auch wenn er selbst gar nicht oder nur zum Teil Hand anlegte.
Ab 1510 wurden zahlreiche Werke nur noch von Mitarbeitern ausgeführt. Die gesamte Produktion seit Anfang des 16. Jahrhunderts war auf Wiederholbarkeit bestimmter Figurentypen, einzelner Gewandmotive oder ganzer Kompositionsmuster ausgerichtet. Riemenschneider und seine Werkstatt produzierten in Stein und in Lindenholz. Für viele seiner Arbeiten ist der Verzicht auf die traditionelle Farbfassung mittelalterlicher Skulptur charakteristisch, die durch differenziert strukturierte Oberflächen, Teilbemalung und transparente Überzüge ersetzt wurde.

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Renaissance   Gotik   Deutschland

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