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Barthélemy Prieur, Negervenus, Paris, um 1600


Schlagwörter

Renaissance   Schönheit   Manierismus   Giovanni Bologna   Paris   Fontainebleau   Frankreich   Benvenuto Cellini

Barthélemy Prieur

Negervenus

Paris, um 1600

Bronze
Inv. Nr. 1568; acquired in 1978 with support from the Federal Republic of Germany from the Robert von Hirsch Collection.

30 cm

Zunächst für das Werk eines italienischen oder niederländischen Meisters gehalten, wird die sogenannte Negervenus inzwischen zumeist Barthélemy Prieur zugeschrieben. In Paris oder Fontainebleau ausgebildet, wandte er sich nach Italien und wurde Hofbildhauer in Turin. Später ernannte ihn König Henri IV. (1553–1610) zu seinem Hofbildhauer. Zu seinem Werk zählen Großplastiken, im Wesentlichen Grabdenkmäler, vor allem aber Kleinbronzen, zu denen im Liebieghaus auch die Gruppe »Magd und Kavalier« und »Springendes Pferd« gehören.
Die negroiden Gesichtszüge der sich im Spiegel betrachtenden Frau sind auffällig. Zwar gibt es Darstellungen schöner junger Frauen, die ihr Spiegelbild betrachten, in großer Zahl. Weder in der Antike noch in der bildenden Kunst um 1600 aber lassen sich Vorbilder für die Wahl einer Schwarzen als exemplarischer Darstellung der weiblichen Schönheit finden. Eine Erklärung dafür bieten manieristische Gedichte, beispielsweise Sonette William Shakespeares: Farbige Sklavinnen werden hier als Herrinnen geschildert, um deren Gunst ihre Dienstherren betteln.
Die Negervenus verkörpert in rundansichtiger Konzeption das manieristische Ideal der französischen Bildhauerei um 1600. Die Oberflächen der Skulpturen Prieurs sind durch ein weiches, seidig-glattes Ineinanderfließen gekennzeichnet. Zugleich zeigen die verschiedenen Ansichten der Negervenus, dass der Künstler Werke Giovanni Bolognas (1529–1608) und auch die Kunsttheorie Cellinis kannte. Letzterer hatte gefordert, eine Skulptur müsse mehrere verschiedene, aber gleich vollkommene Ansichten haben.

12345  Bewertung: (4.00)

Jacob sagte:
Ist Sie nicht wunderschön? Auch finde ich es so toll, dass der Künstler hier so mit der Tradition und den Konventionen spielt.
Geschrieben um: 22.09.2008 16:21
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