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  • Nok. Ein Ursprung afrikanischer Skulptur
Einleitung
Vergleichsstudien
Die Nok-Figuren
Bezüge zu Europa
Die Forschung
Die Ausstellung
Katalog
Begleitprogramm
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Die Ausstellung ist nun einen Monat länger, bis 23. März 2014, geöffnet.

In der Sonderausstellung "Nok. Ein Ursprung afrikanischer Skulptur" präsentiert die Liebieghaus Skulpturensammlung erstmals die spektakulären Funde der mehr als 2.000 Jahre alten Nok-Kultur aus dem subsaharischen Raum. Die über 100 Skulpturen und Fragmente, die Archäologen der Goethe-Universität Frankfurt geborgen haben, werden in der Ausstellung gemeinsam im Dialog mit zeitgleichen Werken der altägyptischen und griechisch-römischen Antike aus der Sammlung des Liebieghauses gezeigt. Diese zugespitzte Präsentation thematisiert den großen Konflikt um das radikal veränderte Kunstverständnis des 20. Jahrhunderts: Europas figurative Kunst auf der einen Seite, auf der anderen die freien Formen der sogenannten primitiven Kunst.

Kurator: Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann (Leiter der Antikensammlung, Liebieghaus Skulpturensammlung), Architektur: Karsten Weber, Architekt, Düsseldorf

Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert und erfährt von der Julius Berger International GmbH zusätzliche Unterstützung.

Die Ausstellung "Nok. Ein Ursprung afrikanischer Skulptur" in der Liebieghaus Skulpturensammlung wird in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt realisiert und durch Leihgaben der National Commission for Museums and Monuments, Nigeria unterstützt. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages.

Die aus Terrakotta hergestellten Nok-Figuren gehören zu den frühesten Zeugnissen afrikanischer Plastik und wurden in den vergangenen acht Jahren an über 200 Grabungsstellen im westafrikanischen Nigeria gefunden. In der gemeinsam von der Goethe-Universität Frankfurt und dem Liebieghaus konzipierten Präsentation können die ausdrucksstarken Skulpturen nun erstmals der Weltöffentlichkeit vorgestellt werden. Die rötlichen Figuren werden nach aufwendiger Restaurierung rund 60 zeitgleich entstandenen Kunstwerken der ägyptischen Spätzeit und der griechischen Klassik gegenübergestellt. Während der Austausch dieser Kulturen vor 2.000 Jahren durch die Sahara blockiert war, bietet die Ausstellung die Möglichkeit, die völlig eigenständig entstandenen Nok-Skulpturen mit der Kunst der Zeitgenossen des mediterranen Raums zu vergleichen. Zugleich thematisiert die Präsentation im Liebieghaus die Forschungsergebnisse dieses langjährigen und außergewöhnlich erfolgreichen Grabungsprojekts und zeigt neben den Skulpturen Funde von Alltagsgegenständen wie Tongefäßen, Steingeräten oder Schmuck, sodass ein umfassendes Bild dieser bemerkenswerten archäologischen Kultur Westafrikas vermittelt wird.

Die Nok-Skulpturen werden im Liebieghaus in den dem antiken Rom, Griechenland und Ägypten gewidmeten Sammlungsräumen gemeinsam mit zur gleichen Zeit entstandenen Kunstwerken dieser Kulturen präsentiert und diesen gegenübergestellt. Kennzeichnend für die stilisierten Tier- und Menschendarstellungen der Nok-Kultur sind die dreieckig geformten Augen, deren Pupille durch eine Vertiefung angedeutet ist. Individuelle Merkmale wie Bärte, Schmuck und extravagante Frisuren oder Kopfbedeckungen betonen die kunstvolle Ausführung der expressiven Figuren. Die aus grob gemagertem Ton hergestellten Plastiken waren ehemals mit einer feinen Politur überzogen, die sich nur bei wenigen Exponaten bis in die Gegenwart erhalten hat. Dargestellt werden vor allem Menschen, gelegentlich auch Tiere – darunter besonders Schlangen oder Echsen – sowie Chimären, also Mischwesen aus Mensch und Tier. Einzelne Objekte liefern ungewöhnliche Informationen über die Nok-Kultur: So zeigt beispielsweise ein Relief einen Menschen, der auf einer Trommel sitzend auf deren Bespannung schlägt. Dieser in der Ausstellung gezeigte Fund ist der älteste Hinweis auf Musik im subsaharischen Raum. Die schriftlose Kultur, die etwa 1.500 v. Chr. entstand, erblühte und um die Zeitenwende um das Jahr 0 herum wieder verschwand, bleibt trotz zahlreicher neuer Erkenntnisse rätselhaft. So sind die Vermutungen zur Funktion und zum Kontext der gefundenen Terrakotta-Skulpturen notgedrungen hypothetische Überlegungen. Wie die Frankfurter Forschungen zeigen, dienten die Plastiken wahrscheinlich verschiedenen Zwecken, von denen einige im rituellen Kontext, beispielsweise im Zusammenhang mit Ahnenkult oder Heilungsritualen, anzusiedeln sind. Allen Figuren ist gemeinsam, dass sie ausschließlich in zerbrochenem Zustand aufgefunden wurden. Bis heute ist nur eine einzige vollständige Figur bekannt.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kunst Afrikas zeitgleich mit anderen abstrakten Formen früher Kulturen in Europa entdeckt. Die Stadt Paris entwickelte sich hierbei zum Zentrum der neuen Wertschätzung: Vertreter der klassischen Moderne wie Paul Gauguin, Pablo Picasso oder Ernst Ludwig Kirchner fanden in der indigenen Kunst der vorindustriellen Welt Afrikas und Ozeaniens die Legitimation für den formalen Bruch mit einer vormals realistisch-figurativ dominierten Kunst. So wird in der pointierten Gegenüberstellung im Liebieghaus auch dieser große Konflikt um das radikal erneuerte Kunstverständnis des 20. Jahrhunderts nachgezeichnet: auf der einen Seite die mimetisch-figurative Kunst Europas in der Ausgestaltung der altägyptischen und griechisch-römischen Werke, auf der anderen die freien Formen der sogenannten primitiven Kunst.

Die Forschungsergebnisse der seit 2005 stattfindenden Grabungen eines Archäologenteams der Goethe-Universität Frankfurt um Prof. Dr. Peter Breunig werden im Vortragssaal im Untergeschoss des Liebieghauses ausführlich vorgestellt. Bisher konzentrierten sich die Forschungen auf ein ca. 15 mal 20 Kilometer großes Kerngebiet in Nigeria. Dieses Untersuchungsgebiet soll bis zum Jahr 2020 erweitert werden. Während der alljährlichen mehrmonatigen Feldaufenthalte arbeiten die Frankfurter Forscher ebenso mit der für archäologische Projekte zuständigen nigerianischen Bundesbehörde wie mit zwei Universitäten des Landes zusammen. Mithilfe lokaler Informanten konnten auf diese Weise in den vergangenen Jahren zahlreiche außergewöhnliche und bemerkenswerte Funde von Terrakotta-Skulpturen verzeichnet werden. Die Plastiken der Nok-Kultur wurden erstmals Mitte des 20. Jahrhunderts von Bernhard Fagg, einem britischen Archäologen, entdeckt. Die Funde stammten damals aus Zinnminen. Bis in die 1970er-Jahre hinein sammelte Fagg gemeinsam mit Minenarbeitern insgesamt rund 150 Fragmente von Nok-Figuren. Namensgebend für die Kultur war das kleine Dorf Nok, das in der Nähe des ersten Fundortes liegt.

Die Ausstellung thematisiert des Weiteren Raubgrabungen, den illegalen Handel mit sowie Fälschungen von Nok-Skulpturen. So werden in einem eigenen Abschnitt neben den originalen Nok-Terrakotten auch Fälschungen und Kopien gezeigt. Aufgrund des stetig wachsenden Interesses des internationalen Kunstmarkts an afrikanischer Kunst und der erzielten Spitzenpreise für die Terrakotten der Nok-Kultur haben Händler zunehmend das illegale Aufspüren, Ausgraben und schließlich den Verkauf der Figuren ins Ausland organisiert. Seit Jahrzehnten werden systematisch Nok-Fundstellen von Raubgräbern geplündert. Auf diese Weise sind vermutlich zahlreiche Objekte illegal in den westlichen Kunstmarkt geschleust worden. Zudem gelangten unzählige Fälschungen und Kopien auf den Kunstmarkt und in Museumssammlungen. Die in der Frankfurter Ausstellung gezeigten Nok-Skulpturen zeichnen sich deswegen auch aufgrund ihrer zweifelsfreien Echtheit aus. Die im Liebieghaus erstmals zu sehenden Sensationsfunde mit ihren großartigen, freien Formen werden nach Ende der Ausstellung in Frankfurt zurück nach Nigeria transportiert, wo sie in einer Präsentation gezeigt werden.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Africa Magna Verlag, herausgegeben von Peter Breunig, mit Beiträgen von Christina Beck, Peter Breunig, Vinzenz Brinkmann, Manfred K. H. Eggert, Angela Fagg Rackham, Gabriele Franke, Birgit Frohreich, Musa Oluwaseyi Hambolu, Alexa Höhn, Joseph F. Jemkur, Tanja M. Männel, Jasmin Munir, Klaus-Peter Nagel, Katharina Neumann, Umaru Yusuf Potiskum, Stephan Ritter, Nicole Rupp und Andreas Zimmermann.
Dt. Ausgabe, ca. 292 Seiten, ca. 170 Farb- und 55 Schwarzweißabbildungen sowie 51 Tafeln.

Überblicksführungen durch die Ausstellung

mittwochs 17.00 Uhr, sonntags 15.00 Uhr
Die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten.

Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr–So 10:00–18:00 Uhr
Do 10:00–21:00 Uhr
Montags geschlossen

Eintritt
9 Euro, ermäßigt 7 Euro, Familienkarte (bis zu 2 Erwachsene und mindestens 1 Kind) 12 Euro

Mit dem Städel-Ticket ins Liebieghaus!
Gegen Vorlage Ihrer Eintrittskarte aus dem Städel Museum können Sie während der Nok-Ausstellung das Liebieghaus zum ermäßigten Preis von 2 Euro besuchen.

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