Hans Multscher (um 1400 - 1467)

Heilige Dreifaltigkeit

Hans Multscher, Heilige Dreifaltigkeit, Ulm, um 1430
Hans Multscher, Heilige Dreifaltigkeit, Ulm, um 1430

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Hans Multscher

um 1400 - 1467

Über Hans Multschers Ausbildung wissen wir nichts. Im Jahr 1427 aber, als der Rat der Stadt Ulm ihm das Bürgerrecht gewährt, erweist er sich als ein an den aktuellsten Strömungen französisch-niederländischer Bildhauerkunst geschulter Virtuose, der sowohl in Stein als auch in Holz gleichermaßen kunstvoll zu arbeiten vermag. Multscher wurde mit zahlreichen Privilegien bedacht, was ihm einen Sonderstatus und rasch eine dominante Position unter den Ulmer Künstlerkollegen verschaffte. Er führte die Kunst der bedeutenden Reichsstadt erstmals auf internationales Niveau. Bis zu seinem Tod 1467 setzte er in Ulm und weit darüber hinaus Maßstäbe.
Multscher muss als einer der führenden Bildhauer seiner Zeit nördlich der Alpen gelten. Bestimmte durch ihn geprägte Figurentypen bestimmten noch zwei Generationen später die süddeutsche Bildhauerkunst. Mit seiner florierenden Werkstatt bediente er geistliche, adelige und bürgerliche Auftraggeber gleichermaßen auf höchstem künstlerischem Niveau.
Zu seinen Hauptwerken zählen die Sandsteinfiguren am Prachtfenster des Ulmer Rathauses, die er unmittelbar vor oder nach seiner Einbürgerung schuf (Ulmer Museum), der Schmerzensmann am Westportal des Ulmer Münsters (1429), ein um 1430 anzusetzendes Kalksteinrelief im Bayerischen Nationalmuseum in München, das als plastischer Entwurf für die Grabplatte Herzog Ludwigs des Bärtigen von Bayern-Ingolstadt dienen sollte, die kleine Gruppe der Dreifaltigkeit aus Alabaster im Liebieghaus (um 1430), das leider nur als Fragment überlieferte Karg-Retabel im Ulmer Münster (1433), die Statuen für das Sterzinger Hochaltarretabel (1456–1458) sowie die um 1465 anzusetzenden Schnitzfiguren der hl. Maria Magdalena im Liebieghaus und die sogenannte Bihlafinger Muttergottes im Ulmer Museum (beide um 1460/1465). Seine Werke zeigen exemplarisch den Wandel von der Idealität des Schönen Stils zum spätgotischen Realismus.

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