Bronzefigur des Adonis / Tammuz (?)

Römisches Syrien
100–200 n. Chr.

Bronze
Höhe 43 cm

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Nicht nur einzelne Mythen, sondern auch Gottheiten haben die Griechen von ihren östlichen Nachbarn übernommen. So sind sowohl die Liebesgöttin Aphrodite als auch der knabenhaft schöne Adonis aus dem syrisch-phönizischen Raum entlehnt.

Den orientalischen Gott der Fruchtbarkeit macht der erfindungsreiche griechische Intellekt zum tragischen Opfer einer Liebesgeschichte: Indem er sich in einen wütenden Eber verwandelt und Adonis tötet, zerstört der – von Eifersucht getriebene – Kriegsgott Ares die Liebe zwischen Aphrodite und dem schönen Knaben. Ein zartes poetisches Bild begleitet die Gewalt: Aus der mit dem Blut des Sterbenden getränkten Erde wachsen Anemonen (Adonisröschen) hervor.

Durch die Eroberungen und kulturpolitischen Richtlinien von Alexander dem Großen war der Orient zu einem ungemein lebendigen Schmelztiegel von Ost und West geworden. So wundert es nicht, dass jetzt – in der sogenannten hellenistischen Zeit – in den griechischen Werkstätten für Adonis das Bild eines griechischen Gottes in östlicher Tracht entsteht. Die große Bronzefigur im Liebieghaus zeigt eine sehr fein gearbeitete Wiederholung dieser Bilderfindung: Der orientalische Fruchtbarkeitsgott trägt ein Fransengewand, das vor dem Bauch geknotet ist. In einer eleganten Haltung des Körpers wendet er seinen Blick in Richtung der ausgestreckten rechten Hand. Der Kopf, dessen Gesichtszüge in klassischer Manier geschnitten sind, ist von einer üppigen Lockenpracht umgeben.

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