Heiliger Abt

Bayern (?)
zwischen 1520 und 1530

Lindenholz, holzsichtig
Höhe 132 cm

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Eines der imposantesten Werke der Mittelaltersammlung des Liebieghauses ist ein heiliger Abt in Benediktinertracht. Die um 1520/30 entstandene Statue ist von immenser künstlerischer Qualität, vollplastisch, von heftiger Bewegung und erstaunlicher Expressivität in Gewandung und Gesicht. Mittelalterliche Kunstwerke sind oftmals schwer einzuordnen, weil die historischen Anknüpfungspunkte verloren sind. Häufig helfen hier Vergleiche mit anderen Werken weiter. In diesem Fall ist aber weder die künstlerische noch die regionale Herkunft, ja nicht einmal die Person des Dargestellten eindeutig zu klären. Sicher ist nur, dass es sich um einen heiligen Benediktinerabt handelt, eventuell um den Ordensgründer selbst, Benedikt von Nursia, eine der zentralen Gestalten klösterlich-kirchlichen Lebens im Mittelalter.

Aus welchem funktionalen Zusammenhang die Figur stammt, kann ebenfalls nur vermutet werden. Sie ist zwar rundum beschnitzt, doch rückseitig flacher und einfacher aufgefasst. Die Standkonsole ist auf der Unterseite ornamental bearbeitet. Daraus resultieren verschiedene Möglichkeiten der Aufstellung: in einem rückseitig durchbrochen gearbeiteten Altarschrein, im architektonischen Aufbau über einem Altarschrein oder einen Altarschrein flankierend. Sie könnte aber auch als Einzelfigur außerhalb einer Kirche, in einem Benediktiner- oder Zisterzienserkloster Aufstellung gefunden haben, zum Beispiel in einem Refektorium.

Über den Künstler wissen wir nichts. Keine der bisherigen namentlichen Zuschreibungen überzeugt. Bei kritischer Betrachtung ergeben sich jedoch Verbindungen zu dem in Landshut tätigen Bildschnitzer Hans Leinberger und seinem Kreis. Von dort hat der Schnitzer wichtige Anregungen erfahren.

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