Renaissance bis Klassizismus

Das Liebieghaus beherbergt eine erlesene Sammlung neuzeitlicher Figuren vom 15. bis hinein ins 19. Jahrhundert, die sich von den Anfängen der Renaissance, über den Manierismus, den Barock und das Rokoko bis hin zum Klassizismus erstreckt.

Highlights der Sammlung

Sammlungsleiterin

Maraike Bückling

Dr. Maraike Bückling begleitet die Entwicklung der Liebieghaus Skulpturensammlung seit Langem aus nächster Nähe. 2006 übernahm sie nach fast 20-jähriger Tätigkeit als Kuratorin am Liebieghaus die Leitung der Abteilung Renaissance bis Klassizismus. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Skulptur des europäischen 17. und 18. Jahrhunderts.

Dr. Maraike Bückling beschreibt ein persönliches Highlight-Werk aus ihrem Sammlungsbereich

"Franz Xaver Messerschmidt gehört zu den bekanntesten und zugleich rätselhaftesten Bildhauern des 18. Jahrhunderts. Schuf er, zeit seines Lebens Porträtbüsten und -statuen des österreichischen Kaiserhauses oder von Wissenschaftlern, so ist er doch für seine irritierenden „Charakterköpfe“ besonders bekannt, lebensgroße Büsten aus Blei oder Alabaster. Sie zeigen grimassierende Männerköpfe. Ob die im Liebieghaus befindliche „Büste eines bärtigen alten Mannes“ zu den Charakterköpfen gehörte oder unabhängig von dieser Serie entstand, wissen wir nicht.

Messerschmidt exerziert in der Büste Gestaltungsmöglichkeiten durch: Ornamental formulierte Partien, perückenähnliche Bärte, plastisch modellierte Teile wie die Augäpfel, die Nase oder die Wangen kontrastieren mit dem offenen, ungestalteten Mund, denn Zähne und Zunge fehlen. Ebenso spannungsreich ist die Mimik, die zwischen Weinerlichkeit, Nachdenklichkeit und einem spöttischen Lächeln schwankt. Damit porträtiert die Büste weder eine reale Person noch ist es eine mimisch besondere Maske.

Mit der Aufklärung etablierte sich der Kult der Bildnisbüste, die bereits seit dem 17.Jahrhundert besonders beliebt war; meist sollten die Porträtierten in ihrer Vorbildhaftigkeit oder in ihrer Machtfülle vor Augen geführt werden. Messerschmidt spiegelt dagegen die Widersprüchlichkeit und Mehrdeutigkeit des Menschen – es treffen Schönheit und Hässlichkeit, Erhabenheit und Einfachheit, Körperlichkeit und Nachdenklichkeit, aber auch Freude, Ausgeglichenheit, Schmerz, Ironie oder Trauer aufeinander. Diesem Vexierspiel in der Büste immer wieder nachzuspüren, fasziniert mich an diesem Meisterwerk ganz besonders. Zugleich steht Messerschmidts Büste für einen bestimmten Zeitraum der Kunstgeschichte, in dem die Frage nach dem Wesen des Menschen auch in der Kunst gestellt wurde."